Intuitionsschule - Hartz 4 als Chance

Wissen, was das Herz fühlt



Die folgende Geschichte spricht dafür, dass man durchaus mit Leichtigkeit Erfolg haben kann, wenn man im Strom des Lebens schwimmt und seinen Prinzipien treu bleibt. Schwierig wird es dann, wenn man gegen den Strom schwimmt, den das Leben vorgibt. In dieser Geschichte werde ich Euch von einer für mich überaus lehrreichen Lektion berichten, in der ich meine Intuition und meine Empathie schulen konnte. Es geht um ein Arbeitsangebot des Arbeitsamtes, bei welchem der Faktor Zeit sehr relativ zu betrachten war. Zeit hat eigentlich nichts mit der Uhr oder dem gregorianischen Kalender zu tun. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Uhr und der gregorianische Kalender, der in unserer Gesellschaft eine große Rolle spielt, stellen lediglich eine Messung der Bewegung durch den Raum dar. Albert Einstein und auch die heutige Wissenschaft nennen das die Raum-Zeit. Zeit ist in meinen Augen nichts anderes als eine Information in einem bestimmten Zeitraum. 

 

Ich benutze nur eine Uhr, wenn ich sie unbedingt brauche.

Das schult meine Intuition und meine innere Uhr.

 

Anfang 2009 hatte die Agentur für Arbeit einen super 1€-Job für mich gefunden. Heute gibt es ja keinen 1 €-Job mehr. Dafür gibt es jetzt die Bürgerarbeit und wer weiß was sich die Bürokratenämter noch alles für hübsche Namen für ihre mehr oder weniger ABM-Projekte einfallen lassen. Wobei ich dazu sagen muss es liegt an jedem Arbeitslosen selbst, ob er seine Chance als Möglichkeit für sich nutzt. Die meisten sehen das leider nicht, da es von den Ämtern, die dahinter stehen oft nicht leicht gemacht wird die Situation positiv zu betrachten. Ich erkannte damals schnell, dass man so eine Maßnahme aus mehreren Perspektiven sehen kann. Man kann sich eine Maßnahme vom Arbeitsamt sicherlich negativ auslegen, da meistens die Organisationen hinter den Maßnahmen sich eine goldene Nase verdienen und man sich ausgenutzt vorkommt, wenn man die Situation von dieser Seite beleuchtet. Man kann diese Maßnahmen auch als Chance sehen, etwas Neues kennen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen, um den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Nach der Maßnahme in der Spielzeug-Fabrik Mannheim in einer führenden Position kann ich sagen, dass der Mensch mit seinen Aufgaben wächst, wenn er seine Fähigkeiten erkennt und fördert. Dazu ist allerdings sehr viel Selbstvertrauen und Eigenverantwortung nötig.  Vertrauen in mein Leben, meine Intuition und Fähigkeiten, die anfänglich größtenteils noch in mir schlummerten, waren meine besten Instrumente für eine erfolgreiche Arbeit und diese Fähigkeiten sind gerade in diser Zeit sehr gewachsen.

 

Die Spielzeug-Fabrik Mannheim war eine gemeinnützige Firma, die gebrauchtes Spielzeug sammelte, wieder aufbereitete und es an Kinder finanzschwacher Familien, an mittellose Organisationen oder sozial schwache Menschen in Form eines Punktesystem verschenkte. Das gemeinnützige Unternehmen war nur etwa ein bis zwei Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Es waren damals ideale Voraussetzungen für mich. Etwa 200 Euro mehr im Geldbeutel, bei einer 30 Stunden-Woche. 200 Euro sind für jemanden, der nur sehr wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hat, viel Geld – und das direkt vor der Haustür. Zu meinem Eintritt in die Arbeitsgelegenheit war die Organisation gerade in einer strukturellen Aufbauphase. Die Spielzeug-Fabrik gab es erst ein halbes Jahr und es musste vieles neu aufgezogen oder noch verbessert werden. Das war für mich und meine Lebenseinstellung ein gefundenes Fressen, denn in diese Arbeit konnte ich mich sehr gut einbringen und meinen Arbeitsbereich so formen, wie es mir am besten lag. Schnell konnte ich mich Teamleiter der Abteilung Marketing/ EDV nennen. In der Abteilung gab es zu meiner anfänglichen Zeit vier oder fünf Sachbearbeiter, die wirklich alles gut im Griff hatten. Es gab für jede Aufgabe mindestens einen, der für sein Gebiet spezielle Fähigkeiten besaß. Am wichtigsten war die Administration, weil sie von meinem damaligen Kollegen neu angelegt wurde. Alle Computer waren miteinander vernetzt und über einen internen Server hatte jeder der EDV-Abteilung, im Sekretariat und im Chef-Büro Zugang zu allen Daten, die von der Administration freigeschaltet wurden. In der EDV-Abteilung gab es ein sehr gutes, eingespieltes Team und ich hatte anfangs schon meine Schwierigkeiten, da mithalten zu können.

 

Die Aufgabenverteilung musste nicht mit einer Ausbildung hinterlegt werden und mancher war aufgrund seiner Erfahrungswerte oder von Eigenstudium sehr gut in seinem Aufgabengebiet. So eine 1€-Maßnahme war für ein halbes Jahr festgelegt und konnte in speziellen Fällen noch für ein Quartal verlängert werden. Was genau die Voraussetzungen für eine Verlängerung waren, weiß ich nicht genau. Vielleicht hatten meine damaligen Kollegen deswegen bereits einmal verlängern können, weil die Firmenstruktur noch im Aufbau war? Keine Ahnung! Auf jeden Fall verließen mich meine Kollegen nach etwa einem Monat und ich war zunächst allein in der Abteilung, aber ich glaube, nur für einen Tag. Dann kamen weitere Kollegen hinzu. Als ich alleine war machte ich mich zum Abteilungsleiter und als ich Gesellschaft bekam spielte ich diese Rolle weiter. Mir gefiel es die Rollen zu verteilen und der Kapitän an Bord zu sein. In der Spielzeug-Fabrik war es ein Kommen und Gehen. Manche waren nur ein paar Wochen da und fanden dann einen Job, wiederum andere blieben einen halbes Jahr in der Firma. Es gab auch ein paar wenige, die zu der Zeit dort fest über eine Drittfirma angestellt waren, um eine gewisse Beständigkeit in die Firma zu bekommen, die hauptsächlich durch Langzeitarbeitslose betrieben wurde. Dies war zunächst mein Ziel, dort auch eine Festanstellung zu bekommen, was ich in ähnlicher Form auch beinahe erreicht hätte. Aber dazu waren die Umstände einfach nicht gegeben und wie es sich schließlich herausstellte, wartete etwas viel Besseres auf mich. Dazu aber mehr in einem anderen Kapitel.

 

Ich hatte in der Abteilung bereits seit sechs Wochen die Rolle des Teamleiters inne. Meinem Chef schmeckte das anfangs, glaube ich nicht so gut, aber nachdem ich, zu meiner eigenen Überraschung Führungsqualitäten zeigte, konnte ich auch ihn von meiner Position überzeugen. Alles lief wie geschmiert. Möglicherweise war ich sogar am damaligen Erfolg der Firma mitverantwortlich. In der Abteilung war zwar ich der Chef, was ich auch manchmal scherzhaft sagte, aber im Grunde genommen sah ich mich nicht direkt als Oberhaupt, nur halt mit etwas mehr Verantwortung als meine Abteilungskollegen. Ich besaß natürlich nicht so viel Know-How, wie es bei einem Projekt-Manager oder einem Abteilungs-Leiter üblich ist, aber was mir an Quantität fehlte konnte ich mit Qualität wieder wettmachen, nur wusste ich über meine Qualitäten selbst noch nicht so genau bescheid. Ich wachse gerne mit meinen Aufgaben! Meine Hauptaufgabe sah ich darin, innerhalb der Abteilung die Arbeitsaufgaben zu verteilen und das Arbeitsklima immer im positiven Bereich zu halten. Natürlich wollte ich auch Vorbild für meine Kollegen sein, was das Engagement und die Pünktlichkeit betraf. Nur selten war es notwendig einen strengeren Ton anzuwenden, weil für meinen Abteilungskollegen Privates wichtiger war als die anstehende Arbeit. Da ich schon mehre Aus- und Fortbildungen in Marketing absolviert hatte, übernahm ich den größten Teil des Marketing-Bereichs, was in so einer 1€-Maßnahme natürlich etwas anders gehandhabt wurde als in einer normalen Firma. Dadurch erhielt ich jedoch Kenntnisse, die sich auch noch für weitere Projekte nützlich erweisen sollten. Eigene Erfahrungswerte sind sowieso immer etwas sehr Wertvolles. Auch den Einkauf für verschiedene alltägliche Dinge, die man in einer Firma braucht, übernahm ich, zumindest jene Geschäfte, die man über das Internet abwickeln kann. Später gab ich noch Fortbildungskurse für Anfänger in Excel und in EDV. Meine Kurse waren zwar nicht immer voll besetzt, aber anscheinend machte ich meinen Job gut.

Viele, mit denen ich mich damals über meine Tätigkeit unterhielt, sagten mir tatsächlich, dass ich wohl verrückt sein müsse, mich wegen 1,50 € die Stunde so den Allerwertesten aufriss. Sie konnten oder wollten nicht verstehen, dass ich all die Arbeit hauptsächlich für mich tat. Durch meine Arbeit bei der Spielzeug-Firma gewann ich jedoch sehr viel meiner Qualitäten – und das ist meines Erachtens viel mehr Wert als Geld. Meine Arbeit machte mir viel Spaß, weil meine Intuition und meine emphatischen Softskills genauso gefragt waren wie meine Kenntnisse im Marketing oder mein kaufmännisches Wissen. Die Situationen in meinem Aufgabenbereich änderten sich ständig. Einmal waren es die Preise, dann die Mitarbeiter, Kunden und mitunter auch die Möglichkeiten, ein solches Projekt überhaupt durchführen zu können Oft mussten wir in der Abteilung improvisieren, um an unser Ziel zu kommen. Noch heute meide ich Routine, wenn es mir irgendwie möglich ist, denn auf Dauer ist sie für mich monoton und trocken.

 

Dieses halbe Jahr hat mir bezüglich meines Selbstvertrauens und meiner Selbstfindung sehr viel gebracht. Zum einen konnte ich viele meiner Fähigkeiten, wie meine Führungsqualitäten oder meine Sensibilität, wieder entdecken oder noch ausbauen. Zum anderen erkannte ich, dass ich auch ein guter Lehrer sein kann. Vor allem gewann ich viel Vertrauen in das Leben an sich. Ich hatte immer zum richtigen Zeitpunkt, die Arbeitskräfte zur Hand, die ich für das jeweilige Projekt der Abteilung brauchte - zum Beispiel, den neuen Administrator. Aber gleichzeitig respektierte ich auch die Situation, wenn keiner kam und ich die Arbeit alleine machen musste. Dann lag es an mir, mich den Aufgaben eines Administrators oder eines Graphikers zu stellen und wenn nötig zu erarbeiten. Zumindest solange, bis jemand in mein Team kam, der sich damit auskannte oder gar aus demselben Beruf kam. Je gelassener ich die jeweilige Situation anpackte und je mehr Vertrauen ich hatte, dass ich mit meinem Projekt sicher auf den Füßen landen würde, desto eher wurde mir alles vom Leben selbst zugespielt.

 

Nur wer an Wunder glaubt, der wird auch welchen begegnen.

 

Diese Maßnahme der Agentur für Arbeit war ein weiterer Meilenstein in meiner Persönlichkeitsentwicklung und in meinen Augen ein erneuter Beweis dafür, wie leicht das Leben ist, wenn man alles dynamisch laufen lässt. Was man auch als Zufall deuten könnte, ist die Tatsache, dass es zu Beginn meiner Maßnahme und kurz nach deren Beendigung eine komplette Veränderung in der Firma gab. Ich glaube aber schon lange nicht mehr an Zufälle! Dafür passieren sie mir zu oft! Nach einem halben Jahr Pause wurde ich dort nochmals angestellt, hatte aber diesmal eine Chefin. Auch von ihr erhielt ich auf Grund meiner Art und Weise alle Freiheiten, die ich brauchte. In meiner zweiten Amtsperiode legte ich den Grundstein für dieses Buch ansonsten half ich meinen Kollegen beim Bewerbungsschreiben und allgemeinen Computerproblemen. 

 

Bei einer Internetrecherche nach psychologischem Perspektivenwechsel bin ich auf den Begriff Flow gestoßen. Mehrere Psychologen behaupten, dass der Flow-Zustand der Moment ist, in dem man sich keine Sorgen macht und unser Verstand nicht mehr ständig kontrolliert. Den Flow erleben wir, wenn wir uns völlig selbstvergessen einer Tätigkeit widmen – ähnlich wie bei einem Kind, das beim Spiel die Zeit und die Welt um sich herum vergisst. Ich erreiche diesen Flow-Zustand beispielsweise. wenn ich kreativ bin. Allgemein beim Schreiben entwickeln sich bei mir Gedankengänge, bei denen ich manchmal sogar Probleme habe, diese „im normalen Alltag“ nachzuvollziehen. Diesen Flow-Zustand kann man bewusst in sein Leben einbauen. Meine Zeit als kreativer Kopf und als Führungswesen in jenem 1 €-Job haben es, zumindest für mich nachhaltig aufgezeigt.

 

Flow ist der Einsatz unserer Intuition ohne

unseren Verstand in den Vordergrund zu stellen.